Neuroendokrine Tumore: Symptome, Diagnose, Therapien

Strahlentherapie bei NET

Strahlentherapie

Neuroendokrine Tumore (NET) sind seltene Tumore, die aus hormonbildenden Zellen entstehen und selbst dazu in der Lage sind, Hormone zu bilden. Am häufigsten sind Magen, Dünndarm, Dickdarm und Bauchspeicheldrüse sowie Lunge, Schilddrüse und Thymus betroffen. Die Strahlentherapie spielt bei neuroendokrinen Tumoren eine wichtige Rolle, wenn eine Operation als Therapie nicht möglich ist. Sie kann in verschiedenen Stadien von NET zur Behandlung eingesetzt werden. Da neuroendokrine Tumore im Verlauf der Erkrankung häufig Metastasen bilden, kann eine Strahlentherapie äußerst effektiv und  zugleich nebenwirkungsarm sein. 

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Das Bild symbolisiert die Strahlentherapie.

Was ist Strahlentherapie?

Strahlentherapie, auch Radiotherapie genannt, ist eine von vielen Therapiemöglichkeiten bei NET. Bei der externen Strahlentherapie werden gezielt starke Strahlen auf die Tumorzellen gerichtet, um diese zu zerstören und deren Tumorwachstum zu stoppen.

Eine weitere Möglichkeit der Behandlung ist die interne Strahlentherapie, die sogenannte Peptidrezeptor-Radionuklidtherapie (PRRT). Dabei werden die Tumorzellen durch ein radioaktives Medikament von innen bekämpft. Hierbei nutzt man insbesondere die Somatostatin-Rezeptoren auf der Oberfläche vieler NET-Zellen.Oft werden Strahlentherapien für eine noch bessere Wirkung zusammen mit einer Chemotherapie bei neuroendokrinen Tumoren oder in Kombination mit einer Operation eingesetzt. Da Strahlentherapien Nebenwirkungen auslösen können, entscheidet die Ärztin oder der Arzt individuell, ob diese Art der Behandlung bei der Patientin oder dem Patienten mit NET in Frage kommt.

Strahlentherapien für neuroendokrine Tumore

Strahlentherapien bei neuroendokrinen Tumoren sind mögliche Behandlungsoptionen, die Beschwerden verringern oder in seltenen Fällen vollständig bekämpfen können. Dies ist abhängig vom individuellen Krankheitsbild, der Tumorart, -größe und -ausbreitung. Neben den gängigen Strahlentherapien stehen im Bereich der neuroendokriner Tumor Therapie auch weitere spezialisierte Therapiearten zur Verfügung, wie beispielsweise die Interferon-Alpha Therapie oder die Telotristatethyl Therapie. Diese Therapieformen werden bei funktionell aktiven NET eingesetzt, insbesondere, wenn das Karzinoid-Syndrom vorliegt.

Externe Strahlentherapie

Bei der externen Strahlentherapie dringen die Strahlen von außen durch die Haut, in den Körper, zu den entsprechenden Tumorzellen. Die Zellen werden mit Hilfe von Strahlen wie Röntgen-, Gramma-, Elektronenstrahlen oder Photonen gezielt zerstört oder geschädigt. Dabei ist das Ziel, das Tumorwachstum zu stoppen oder den Tumor zu bekämpfen.

Die Bestrahlungsplanung erfolgt individuell, um das Zielvolumen möglichst präzise zu definieren und gesundes Gewebe zu schonen. Während der Behandlung kann genau bestimmt werden, wie viel Strahlung die Patientin oder der Patient bekommt – dadurch ist die Therapiemethode gut kontrollierbar.

Die Nebenwirkungen der externen Strahlentherapie sind meist von der Art und der Lage des Tumors abhängig.  Häufig tritt ein bis zwei Wochen nach Therapiebeginn eine allgemeine Müdigkeit, bis hin zur Erschöpfung auf, die mehrere Wochen bis Monate anhalten kann. Zu den gängigsten Beschwerden nach einer externen Strahlentherapie zählen:

Hautreaktionen

Das Bild zeigt einen müden Smiley. Dies steht für das VIPom Symptom niedriger Kaliumspiegel.

Es kann zu Rötungen, Trockenheit, Reizung oder selten Blasenbildung im bestrahlten Bereich kommen.

Schleimhautprobleme

Das Icon zeigt eine Zunge um auf Zungenrötungen als Glukagonom Symptom hinzuweisen.

Falls Regionen wie Kopf oder Hals bestrahlt werden müssen, kann es zu Mundtrockenheit, Schluckbeschwerden oder Halsschmerzen führen.

Verdauuungsprobleme

Das Icon zeigt Toilettenpapier. Durchfall ist ein typisches Gastrinom-Symptom.

Je nach bestrahltem Bereich können Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit oder Bauchschmerzen auftreten.

Blutbildveränderungen

Das Icon beschreibt Hyperglykämie als ein Glukagonom Symptom

Vor allem bei der Mitbestrahlung des Knochenmarks kann es zu einer vorübergehenden Verminderung von Blutzellen kommen.

Interne Strahlentherapie - PRRT

Die PRRT beim neuroendokrinen Tumor ist eine interne Bestrahlungsmethode, bei der ein radioaktiv markiertes Medikament in die Blutbahn gespritzt wird. Dieses besteht aus einem Somatostatin-ähnlichen (Somatostatin-Analogon) Stoff und einer kleinen Menge radioaktiver Substanz.  Ärztinnen und Ärzte nutzen die Besonderheit der NET-Tumorzelle, da viele dieser Tumore auf ihrer Oberfläche spezielle Somatostatin-Rezeptoren tragen. Das hergestellte Somatostatin-Analogon kann an diese Rezeptoren andocken und somit die radioaktive Substanz gezielt zur Tumorzelle bringen. Dadurch wird das gesunde Gewebe weitgehend geschont und die Bestrahlung wirkt direkt innerhalb des Körpers. Diese Form der Strahlentherapie wird auch als Radioliganden-Therapie bezeichnet, da Liganden (Bindungspartner) radioaktiv markiert und auf den Tumor „ausgerichtet“ werden.

Strahlentherapie als Behandlungsmethode für Sie?

Sie leiden unter einem neuroendokrinen Tumor, wollen sich behandeln lassen und möchten sich über eine Strahlentherapie informieren? Dann lassen Sie sich ausführlich von Ihrer Fachärztin oder Ihrem Facharzt beraten, ob und welche Art der Strahlentherapie für Ihre NET-Erkrankung in Frage kommt.

Für wen eignet sich welche Strahlentherapie?

Patientinnen und Patienten mit inoperablen, fortschreitenden und metastasierenden NET, bei denen eine operative oder medikamentöse Behandlung nicht erfolgreich war oder nicht in Frage kommt, eignen sich für die PRRT-Therapie. Menschen, die unter lokalen Tumoren oder Knochenmetastasen leiden, werden eher für externe Strahlentherapien in Erwägung gezogen. Die Auswahl der Therapie hängt meist von folgenden Faktoren ab:

  • Tumorart
  • Lokalisation
  • Ausbreitung
  • Wachstumsrate
  • Hormonproduktion
  • Bisherige Therapieansätze

Behandlungspläne von Strahlentherapien bei NET

Die genauen Behandlungspläne sowie Nachsorgeuntersuchungen bei neuroendokrinen Tumoren hängen von der jeweiligen Tumorgröße, -ausdehnung und Lokalität ab.

Vorgang und Nachbehandlung von PRRT

Die PRRT bei neuroendokrinen Tumoren ist vergleichsweise eine neue und innovative Behandlungsform und erfolgt im Rahmen eines stationären Aufenthalts. Die Entlassung erfolgt typischerweise nach zwei bis drei Tagen, die Bestrahlung muss in mehreren Zyklen im Abstand von drei bis vier Monaten wiederholt werden.

Das Therapieergebnis kann dann circa drei bis vier Monate nach Ende der Therapie kontrolliert werden. In der Zwischenzeit sollten Patientinnen und Patienten zu regelmäßigen Kontrollen bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt oder Onkologin, Onkologen vorbeischauen.

Vorgang und Nachbehandlung externer Strahlentherapie

Die externe Strahlentherapie kann im Gegensatz zur PRRT ambulant durchgeführt werden. Die Behandlung erfolgt üblicherweise verteilt über zwei bis vier Wochen an zehn bis zwanzig Tagen. Davor sind mehrere Voruntersuchungen nötig, um die Lage des Tumors so genau wie möglich lokalisieren zu können und somit eine möglichst präzise Bestrahlung zu gewährleisten. Vor der eigentlichen Bestrahlung wird die Therapie zunächst simuliert, um die Anzahl der Bestrahlungsfelder genau festzulegen.

Nach der Behandlung wird die Nachsorge neuroendokriner Tumore individuell an die jeweiligen Patientinnen oder Patienten und deren Krankheitsverlauf angepasst. Die Nachsorge wird durch drei- bis zwölfmonatige Kontrollintervalle, durch Ultraschall, NET CT oder MRT abgebildet.

Arten von neuroendokrinen Tumoren

Nicht alle NET sind gleich. Sie bringen unterschiedliche Symptome mit sich und sind teils schwer zu erkennen. Welche Arten von NET es gibt und wie sie sich unterscheiden erfahren Sie auf den spezifischen Seiten:

Gastrointestinale NET

Bei dieser Art von NET entstehen die Tumorzellen im Verdauungstrakt und führen durch die unkontrollierte Hormonproduktion zu Symptomen wie Durchfall, Hautrötungen und Bauchkrämpfen. Diese Beschwerden lassen sich durch spezielle Behandlungen deutlich lindern. Die Therapie umfasst mehrere Ansatzmöglichkeiten.

Pankreatische NET

Die neuroendokrinen Tumore der Bauchspeicheldrüse entstehen in hormonproduzierenden Zellen und können je nach Art unterschiedliche Symptome verursachen. Dazu zählen Hautausschlag, Verdauungsprobleme, Schwindel oder Durchfall. Die bevorzugte Behandlung ist die operative Entfernung, kann aber durch weitere Therapien ergänzt werden.

Pulmonale NET

Pulmonale NET befinden sich in der Lunge und entstehen aus speziellen Zellen in den Atemwegen. Sie bleiben oft lange unentdeckt, da sie selten Hormone produzieren und erst spät Beschwerden wie Husten, Atemnot oder Infektionen verursachen. Die Behandlung richtet sich hier nach Tumorart und -stadium.  

FAQ zu neuroendokrinen Tumoren der Lunge und Symptomen

Die Strahlentherapie ist eine medizinische Behandlungsmethode zur gezielten Zerstörung oder Hinderung des Wachstums von Tumorzellen.  Dabei kann die ionisierende Strahlung intern oder extern am Körper eingesetzt werden.

Bei der externen Strahlentherapie wird der Tumor durch bestimmte Strahlungen von außen durch die Haut angegriffen. Zuvor wird der genaue Ort der Krebszelle festgelegt, damit die Strahlung möglichst präzise durchgeführt werden kann.

Die PRRT ist eine interne Bestrahlung und erfolgt durch ein spezielles Medikament. Dieses besteht aus einem Somatostatin-ähnlichen Stoff, der mit einer radioaktiven Substanz gemeinsam an den Rezeptoren der Tumorzellen andockt. Somit kann die Strahlung effektiv und direkt wirken.

Die Behandlung hängt von der Art der Therapie ab, externe Strahlentherapien verlaufen ambulant über mehrere Sitzungen und Wochen. Die interne Behandlung hingegen erfolgt stationär, in mehreren Zyklen.

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Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Müdigkeit, Hautreizungen, Verdauungsprobleme oder Blutbildveränderungen. Weitere, seltene Nebenwirkungen können auftreten. Die Nebenwirkungen treten meist nur im bestrahlten Bereich auf und klingen nach Ende der Behandlung oft wieder ab.

Ja, Strahlentherapien können mit Chemotherapie, Immuntherapie bei neuroendokrinen Tumoren oder Operationen kombiniert werden, um die Wirksamkeit zu erhöhen. Dabei werden beide Behandlungsoptionen entweder gleichzeitig oder nacheinander eingesetzt. Die Kombinationsmöglichkeiten werden individuell auf die Erkrankung und den Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten abgestimmt.

 

Neuroendokrine Tumore Radiotherapie | Universitäts Spital Zürich https://www.usz.ch/fachbereich/radio-onkologie/angebot/neuroendokrinen-tumoren-radiotherapie/

Peptidrezeptor-vermittelte Radionuklidtherapie (PRRT) in der Klinik für Nuklearmedizin am UKS | Universitätsklinikum des Saarlandes https://www.uks.eu/kliniken-einrichtungen/radiodiagnostik-nuklearmedizin-strahlentherapie/nuklearmedizin/schwerpunkte/prrt

Was ist Strahlentherapie? | Bundesamt für Strahlenschutz https://www.bfs.de/DE/themen/ion/anwendung-medizin/strahlentherapie/einfuehrung/einfuehrung_node.html

Wie werden NET behandelt? | Mein Leben mit NET https://www.mein-leben-mit-net.de/ratgeber-uber-net/behandlungsmoglichkeiten-bei-neuroendokrinen-tumoren/wie-werden-neuroendokrine-tumoren-behandelt/ 

Peptidrezeptor-Radionuklidtherapie (PRRT)/Lutathera neuroendokriner Tumoren | Uniklinik Köln https://nuklearmedizin.uk-koeln.de/erkrankungen-therapien/neuroendokrine-tumore/peptidrezeptor-radionuklidtherapie-lutatherar/

Peptid-Rezeptor-Radionuklidtherapie bei neuroendokrinen Tumoren |Uniklinik Freiburg https://www.uniklinik-freiburg.de/nuklearmedizin/patienteninformationen/therapie/p-r-radionuklidtherapie-bei-neuroendokrinen-tumoren.html

Strahlentherapie: Anwendungsbeispiele und mögliche Nebenwirkungen | Deutsches Krebsforschungszentrum https://www.krebsinformationsdienst.de/strahlentherapie-und-nuklearmedizin/strahlentherapie-durchfuehrung-und-nebenwirkungen-bei-krebs 

Therapien-Nachsorge | NET Register https://www.net-register.org/ne-tumore-allgemeine-informationen/therapien-nachsorge/

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